Achtsamkeit & Selbstliebe
Wie Achtsamkeit mir gezeigt hat, liebevoller mit mir selbst zu sein
Achtsamkeit und Selbstliebe sind für mich kein schnelles Rezept und auch keine einfachen Lösungen. Sie sind ein langsamer, behutsamer Weg, auf dem ich nach und nach lernen durfte, mich selbst wirklich zu sehen und anzunehmen, so wie ich bin.
Lange Zeit dachte ich, die größten Kritiker in meinem Leben seien die anderen: Menschen, die Erwartungen an mich hatten, die streng über mich urteilten oder mich nicht so annahmen, wie ich war. Doch nach und nach wurde mir bewusst: die lauteste, kritischste Stimme kam immer aus mir selbst. Ich habe mir eingeredet, was andere über mich denken, wie sie mich beurteilen oder welche Erwartungen sie an mich stellen. Tatsächlich war es nie ihre Stimme, die da sprach, sondern meine eigenen Gedanken. Ich war es, die mich klein gemacht hat, die mir immer wieder sagte: „Du bist nicht gut genug.“. Sicher, dieses Gefühl hat seine Wurzeln vermutlich in meiner Kindheit. Ich weiß, dass viele dieser Glaubenssätze dort entstehen - in Momenten, in denen wir uns nicht gesehen, gehört oder verstanden fühlen. Doch das ist ein anderes Thema. Ich sehe meine Aufgabe nicht darin, zu therapieren - das darf und möchte ich auch gar nicht. Aber ich habe mich im Laufe der Jahre sehr intensiv mit diesen Themen beschäftigt, weil sie mich interessieren. Es fasziniert mich, wie unsere Erfahrungen, Gedanken und Gefühle miteinander verwoben sind, und wie wir lernen können, uns selbst besser zu verstehen.
Achtsamkeit hat mir geholfen, hinzuschauen. Zu erkennen, wie oft ich mich selbst schlecht behandelt habe - härter, als es je ein anderer Mensch getan hätte. Und ja, es tat weh, das zu sehen. Aber es war auch ein erster Schritt: zu verstehen, dass ich diese Gedanken nicht bin, und dass ich sie wahrnehmen darf, ohne ihnen zu glauben.
Vertrauen ins Leben, in mich selbst, zu entwickeln war ein weiterer Schritt. Früher fiel es mir unglaublich schwer, Kontrolle loszulassen. Ich wollte alles im Griff haben, aus Angst, verletzt oder enttäuscht zu werden. Doch genau diese Kontrolle hielt mich gefangen. Schritt für Schritt wagte ich es, loszulassen und entdeckte etwas, das ich lange nicht kannte: Freiheit. Auch wenn das Bedürfnis nach Kontrolle nicht völlig verschwunden ist, erkenne ich es heute schnell und lasse mich nicht mehr impulsartig davon leiten. Es bestimmt mein Leben nicht mehr, sondern erinnert mich daran, vertrauensvoll loszulassen. Ein Beispiel dafür ist meine Flugangst. Jahre lang begleitete sie mich, ein lähmendes Gefühl der Ausgeliefertheit. Als ich lernte, mir selbst zu vertrauen und nicht jeden Moment kontrollieren zu wollen, verschwand diese Angst nach und nach.
Auf diesem Weg erkannte ich auch: Ich bin nicht länger das Opfer der Umstände. Ich muss nicht warten, dass andere etwas ändern oder dass das Leben „mir“ etwas schuldet. Ich kann und muss die Verantwortung für mein Leben selbst übernehmen. Nur ich habe die Möglichkeit, an den Situationen etwas zu verändern, die mich betreffen. Dieses Bewusstsein löste ebenfalls ein Gefühl von Freiheit aus und die Opferrolle verlor ihre Macht. Plötzlich erschienen selbst schwierige Situationen lösbar, weil ich wusste: Ich kann handeln. Ich trage Verantwortung.
Natürlich gibt es immer noch Momente, die mich herausfordern. Situationen, in denen mein erster Impuls Ärger oder alte Reaktionsmuster ist. Doch mittlerweile spüre ich diese Impulse, erkenne sie als Signale aus mir selbst, und kann entscheiden, wie ich damit umgehen möchte. Alles, was mich triggert, hat mit mir zu tun und genau darin liegt die Chance, hinzuschauen, zu verstehen und zu heilen. Selbst wenn ich einmal in alte Muster zurückfalle, gehe ich liebevoll mit mir um, übernehme Verantwortung und lerne daraus.
Heute bin ich selbstbewusster. Ich kann Fehler eingestehen, mir selbst verzeihen, und das fühlt sich befreiend an. Ich muss nicht mehr perfekt sein, um wertvoll zu sein. Ich darf stolpern, ausprobieren, wachsen und dabei mit mir selbst sanft umgehen.
Durch Achtsamkeit habe ich gelernt, meine eigenen Bedürfnisse zu erkennen und ihnen Raum zu geben. Ich fürchte nicht mehr, was andere darüber denken könnten. Ich weiß: Meine Bedürfnisse sind genauso wichtig wie die der anderen.
Und ja, es gibt noch Aspekte in mir, die mich manchmal zurückhalten. Doch ich weiß, dass es nicht schlimm ist. Achtsamkeit bedeutet nicht, frei von Fehlern oder Zweifeln zu sein, sondern liebevoll hinzuschauen, auch wenn es nicht perfekt ist.
Selbstliebe zeigt sich oft leise: in der Art, wie ich mit mir spreche, im Mut, meine Bedürfnisse ernst zu nehmen, in der Sanftheit, mir selbst zu vergeben. Jeden Tag lerne ich ein Stück mehr. Und vielleicht ist genau das Selbstliebe: nicht gegen sich zu kämpfen, sondern Schritt für Schritt anzunehmen, wer man ist - mit all den Zweifeln, Brüchen und dem, was noch heilen darf.