Mein Weg zur Achtsamkeit - von äußerem Druck zu innerem Frieden

Der Anfang – im Außen gefangen 

Lange Zeit habe ich meinen Fokus auf das Äußere gelegt. Als staatlich anerkannte Kosmetikerin und Visagistin habe ich Menschen geholfen, ihr äußeres Strahlen zu betonen. Ich dachte, dass es Glück und Selbstwert bedeutet, von anderen gesehen und geschätzt zu werden. Ich glaubte, wenn man durch Veränderungen im Außen einem Ideal entspricht - schöner, perfekter, makelloser -, dann stellt sich auch das Glück ein. Und ja, ich konnte vielen Menschen dieses Gefühl schenken und es erfüllte mich, wenn jemand durch meine Arbeit aufblühte. Doch während ich anderen half, ihr Strahlen zu sehen, blieb ich selbst im Schatten meiner eigenen Ansprüche stehen. Mein eigener Anspruch an Perfektion war so hoch, dass er mich beinahe erdrückte. Egal, wie ich aussah, es war für mich nie genug. Ich war nie genug. Immer wieder zweifelte ich an mir. Und nicht nur an meinem Äußeren … Es wirkte sich auf alle Lebensbereiche aus. Ich habe Entscheidungen nicht aus meinem Herzen getroffen, sondern weil ich meinte zu wissen, was andere denken und erwarten und dass ich das bedienen muss - ob ich will oder nicht. In meiner Vorstellung war Liebe an Bedingungen geknüpft: Nur wenn ich funktioniere, nur wenn ich „richtig“ bin, nur wenn ich mich korrekt verhalte, bin ich es wert, geliebt zu werden. Ich habe mich nie gefragt, was ich eigentlich will und es war mir auch egal. Ich war so sehr damit beschäftigt, in ein Bild zu passen, dass ich den Kontakt zu mir selbst verlor. Ich bemerkte nicht, was in mir vorging, und dass mich dieser innere Kampf beinahe zerriss. Irgendwann spürte ich einfach nichts mehr. Und vielleicht wollte ich auch gar nichts spüren - weil es zu schmerzhaft gewesen wäre, genauer hinzusehen.

Auf der Suche nach Sicherheit

Also funktionierte ich. Nach der Geburt meines Sohnes tat ich, was man eben tut, wenn man Verantwortung trägt: Ich suchte Sicherheit, Stabilität, etwas, das Halt gibt. Ich entschied mich für eine Ausbildung im öffentlichen Dienst - ein Beruf mit klaren Strukturen, festen Regeln und Beständigkeit. Von außen wirkte es, als hätte ich einen soliden Weg gefunden: geregeltes Einkommen, ein sicherer Rahmen, eine „verlässliche Zukunft“.

Sicherheit fühlte sich anfangs wie eine warme Decke an, die Unsicherheiten zudeckt. Doch je länger ich darunter lag, desto schwerer wurde sie. Ich ordnete mich ein, erfüllte Erwartungen, tat, was von mir verlangt wurde. Und doch hatte ich das Gefühl, Stück für Stück von mir selbst wegzugehen. Das Leben war geordnet - aber auch leise und farblos. Kein Auf und Ab, keine Lebendigkeit, sondern ein gleichmäßiges Rauschen. Sicher, ja, aber nicht lebendig. Wie eine Pflanze, die zwar Wasser bekommt, aber nie Sonne sieht.

Es war nicht so, dass es mir bewusst schlecht ging. Ich dachte wirklich, dass alles gut und ausreichend sei. Ich hatte mich arrangiert. Aber dennoch blieb da dieses leise Ziehen in mir - ein Widerspruch zwischen dem, was ich lebte, und dem, was ich wirklich war. Sicherheit war da, aber statt Ruhe brachte sie Starre. Vieles fühlte sich grau und schwer an, während in mir ein Teil unüberhörbar nach Leichtigkeit und Tiefe rief.

Begegnung mit Achtsamkeit

Der Wendepunkt kam nicht durch eine Krise, sondern beinahe nebenbei, durch Gespräche, Begegnungen, Bücher, kleine Zufälle. Ich stolperte plötzlich über Themen, die alle in dieselbe Richtung zeigten: Persönlichkeitsentwicklung, Gedanken über Bewusstsein und Selbstverantwortung und die Macht der eigenen Gedanken.

Sie trafen mich wie ein sanftes Aufwachen. Ich erkannte nach und nach: Ich kann nicht kontrollieren, was andere über mich denken, und ich werde nie allen Erwartungen gerecht werden. Aber ich habe die Wahl, was ich über mich selbst denke und wie ich mit mir umgehe. In diesem Moment spürte ich zum ersten Mal eine Freiheit, die ich vorher nicht kannte: ein erster Schritt zurück zu mir.

Mit jeder kleinen Erkenntnis wuchs ein Gefühl von Leichtigkeit und Klarheit. Ich begann, mich selbst bewusster wahrzunehmen, meine Gedanken und Gefühle ohne Urteil zu beobachten. Es war, als würde ich einen inneren Raum betreten, den ich tief in mir erahnt, aber nie betreten hatte. Ein Raum, in dem ich einfach ich sein durfte, mit all meinen Zweifeln, Unsicherheiten und Bruchstücken.

Aus diesem wachsenden Bewusstsein heraus begann ich ein Fernstudium zur psychologischen Beraterin, anschließend dann zum Achtsamkeitscoach. Anfangs tat ich es für mich, um Antworten zu finden, um Werkzeuge zu bekommen, die mir halfen, mein eigenes Leben zu verändern. Doch je mehr ich lernte, desto größer wurde das Bedürfnis: Dieses Wissen will ich teilen

Es geht dabei nicht darum, perfekt zu sein oder ein äußeres Ideal zu erfüllen. Es geht darum, Frieden mit sich selbst zu schließen, sich anzunehmen - gerade mit den Zweifeln, Brüchen und Unsicherheiten. Es ist ein Weg, der mir selbst Halt gibt und mir gleichzeitig die Möglichkeit eröffnet, andere auf ihrem Weg zu begleiten.

Heute – ein Weg ohne Ende 

Heute weiß ich: Mein Weg ist nicht abgeschlossen. Achtsamkeit ist kein Ziel, das man erreicht, sondern ein stetiger Weg. Ein Weg, der mir hilft, Frieden mit mir selbst zu schließen, meine innere Stimme zu hören und liebevoll mit mir umzugehen. Manchmal still, manchmal herausfordernd, aber immer ehrlich. Ich muss nicht mehr gegen mich kämpfen, ich darf fühlen, wahrnehmen, sein. 

Dieser Weg hat mich gelehrt, dass wahre Stärke und Liebe im Inneren beginnen. Ich spüre, dass genau dieses innere Gleichgewicht mir erlaubt, meinem Sohn und den Menschen um mich herum vorzuleben, dass es mehr gibt als nur zu funktionieren. Dass in jedem von uns ein Raum voller Möglichkeiten und Lebendigkeit liegt, den wir Schritt für Schritt entdecken können. 

Ich schreibe diese Zeilen nicht, weil ich alle Antworten habe oder „fertig“ bin. Ich schreibe sie, weil ich weiß, wie wertvoll es ist, den ersten Schritt zu gehen - egal, wie klein oder unsicher er sein mag. Vielleicht erkennst du dich dabei wieder. Vielleicht berührt dich eher das, was zwischen den Zeilen spürbar ist - eine Sehnsucht, ein Impuls, ein leises Gefühl. Und genau das darf dein Anfang sein. Und vielleicht darf meine Geschichte dir eine Einladung sein: innezuhalten, durchzuatmen und dich selbst mit liebevollen Augen zu betrachten. Du musst nichts leisten, um wertvoll zu sein. Alles, was du brauchst, ist bereits in dir und du darfst es Schritt für Schritt entdecken.

Und genau das möchte ich mit dir teilen: als Wegbegleiterin, die selbst Erfahrungen gesammelt hat und weiter sammelt. Damit wir uns erinnern, dass jeder Schritt, den wir wagen, ein Schritt zurück zu uns ist.

©2025 Anja Lorenz. Alle Rechte vorbehalten.

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